Human Relations 4.0

Auf dem Weg zu HR 4.0 in der Luftfahrt

Das Zukunftsprojekt „Human Relations 4.0“ startet im Januar 2017. „HR 4.0“ ist Teil des noch sehr viel größeren Airbus-Projekts „Industry 4.0 - Factory of the Future in the Aviation Business“ (Industrie 4.0 - die Fabrik der Zukunft in der Luftfahrt).

Für Projektmanager Jan Balcke steht fest, dass Industrie 4.0 die gesamte Luftfahrtindustrie „signifikant“ verändern wird. Industrie 4.0 habe nicht nur Auswirkungen auf Technik und Organisation, sondern vor allem auf die Mitarbeiter. „Umso wichtiger ist es, frühzeitig  die Herausforderungen und Chancen für die Beschäftigten  zu identifizieren und zu diskutieren.“ HR 4.0 soll die Arbeitsplätze der Zukunft  in der Luftfahrt gestalten, die Beschäftigten  qualifizieren  und sie auf die technischen Veränderungen vorbereiten.

Airbus in Kooperation

Das alles will Airbus mit Partnern aus Wissenschaft  und Wirtschaft, Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretung bewerkstelligen - und zwar entlang  der gesamten Wertschöpfungskette der Luftfahrt. So wird das Projekt in enger Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Christoph Igel vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) sowie mit den Kernpartnern Deutsche Akademie für Technikwissenschaften (acatech), Festo Lernzentrum, Hamburg Centre of Aviation Training plus (HCAT+), IG Metall, Nordmetall und Ruhr-Universität Bochum (RUB) verwirklicht. „HR 4.0 ist aus wissenschaftlich-technologischer Perspektive einzigartig in Deutschland und in der Luftfahrt“, sagt Igel: „Interdisziplinär, interprofessionell, international - hier entsteht eine Laborsituation in der Zusammenarbeit von Industrie, Wissenschaft  und Sozialpartnern, die modellhaft sein wird.“

Industrie 4.0 löst grundlegende Veränderungen in den Beziehungen von Mensch, Organisation und Technik aus. Die Beschäftigten  sind davon in besonderer Weise betroffen: Kompetenzmodelle müssen deshalb in Zeiten von Industrie 4.0 auf allen Ebenen des Unternehmens neu gedacht werden. Qualifizierung  soll durch arbeitsplatzintegriertes  Lernen erfolgen. Neue Arbeitsplätze müssen entwickelt und getestet werden. Die Arbeitsorganisation in Verwaltung und Produktion muss den veränderten Rahmenbedingungen von Industrie 4.0 angeglichen werden. Globaler Stimulus für Industrie 4.0 ist das Internet der Dinge, Dienste und Daten. Die Rahmenbedingungen dieses Veränderungsprozesses ergeben sich aus der Airbus-Unternehmensstrategie, aus der Mitbestimmung und aus der Governance, der Kultur und den Werten von Airbus.

Industrie 4.0 durch und für die Mitarbeiter

Die Beschäftigten  spielen im Prozess der digitalen Transformation zu Industrie 4.0 die entscheidende Rolle, sie sind Change Agents, die Träger des Wandels. Die Beschreibung ihrer künftigen Aufgaben steht noch am Anfang, erste mögliche Themen  sind identifiziert, erste Fragen formuliert. Viele Ansätze zur Lösungsfindung sind jedoch noch abstrakt  und branchenunspezifisch. Es fehlt an konkreten Anforderungen des produzierenden Gewerbes im Allgemeinen und der Luftfahrt im Besonderen. Übergreifende Ziele des Projekts sind

  • die Gründung eines institutionenübergreifenden Netzwerks interner und externer Experten zu HR und Industrie 4.0, 
  • der Aufbau einer Denkfabrik  zur Entwicklung von HR 4.0-Konzepten  sowie
  • der Aufbau von Forschungs- und Lernfabriken zur Erprobung von Konzepten  zur Arbeitsplatzgestaltung und Qualifikation der Mitarbeiter.

Das Thema Industrie 4.0 sei zwar in aller Munde, sagt der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Airbus, Klaus Ahlborn, aber „noch sehr abstrakt“. Was es für die Beschäftigten - vom Flugzeugkonstrukteur bis zum Monteur - konkret bedeuten wird, sei nicht abzusehen. Ahlborn geht davon aus, dass nicht nur die Qualifikationsanforderungen steigen, sondern auch die Verfügbarkeit  der Beschäftigten. „Da müssen wir aufpassen, dass die Arbeitnehmerrechte nicht auf der Strecke bleiben.“ Um deutlich  zu machen, wer im Vordergrund steht, hat der Gesamtbetriebsrat (GBR) die Betriebsräteversammlung 2015 zu Industrie 4.0 mit „Mensch 4.1“ überschrieben. Geschäftsführung und GBR haben im Herbst 2016 ein Eckpunktepapier paraphiert. So besteht beispielsweise Einigkeit, „dass wir mit allen Kolleginnen und Kollegen, mit denen  wir in diesen Prozess gehen, auch herauskommen“, sagt Ahlborn. Und: dass der zu erwartende Produktivitätsgewinn auch den Beschäftigten  zugutekommt.

 

 

Von hr40.digital • 06.03.2017