Veröffentlichungen und Handlungsempfehlungen von Wissenschaft, Sozialpartnern, Think Tanks

Aus- und Weiterbildung in der digitalen Arbeitswelt

Von Gewerkschaft, Think Tank bis zur stakeholderübergreifenden Plattform: wir stellen verschiedene Positionen, Handlungsempfehlungen und -aufforderungen vor, Bildungs- und Qualifizierungsansätze in der digitalen Arbeitswelt neu zu (über)denken.

IG-Metall: Handreichung zur Berufsbildung 4.0

Die IG-Metall hat eine Handreichung „Berufsbildung 4.0: Lernen im digitalen Wandel“ herausgebracht. Laut der Handreichung adressiert etwa jeder dritte Ausbildungsbetrieb Digitalisierung und Industrie 4.0 in seiner Berufsausbildung. Auch die Bertelsmann Stiftung kam zu dem Schluss, dass die Digitalisierung in der Ausbildung zu kurz kommt. Dabei bringen die heutigen Azubis viele digitale Kompetenzen mit, die für Unternehmen in der digitalisierten Arbeitswelt von Bedeutung sind. Sie sind technikaffin, kennen sich in sozialen Medien aus und lassen sich mit modernen Lernmedien besonders motivieren. Die IG-Metall stellt ausführlich in ihrer Handreichung die Berufsausbildung in fünf Betrieben vor, die im Bereich Berufsbildung und Digitalisierung sehr gut aufgestellt sind. Sowohl Ausbilder als auch Auszubildende stellen ihr Konzept in Reportagen, Interviews und Übersichten vor.

Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Plattform „Digitale Arbeitswelt“

Der digitale Wandel stellt neue Anforderungen an Betriebe und benötigt Kompetenzen. Die Betriebe haben dabei die Herausforderung, die Bedarfe zu erkennen und Zugangschancen und Angebote niedrigschwelliger Beratung zu verbessern. Die Plattform „Digitales Arbeiten„, geleitet von Bundesministerin Andrea Nahles und Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, sieht berufliche Weiterbildung als Erfolgsfaktor und Digitalisierung als Chance für Unternehmen. Dafür hat sie  im Rahmen einer Arbeitsgruppe zum Thema „Beschäftigung und Weiterbildung“ Handlungsempfehlungen zur beruflichen Weiterbildung zusammengetragen. An der Plattform sind Vertreter von Sozialpartnern, Unternehmen und Wissenschaft beteiligt.

Folgende Empfehlungen gibt die Plattform:

  1. Verbesserung der Angebote zur Information und Beratung mit Hilfe von niedrigschwelligen, unabhängigen Angeboten vor Ort

Arbeitnehmer sollten die Möglichkeit bekommen, sich nicht erst in der Arbeitslosigkeit zu qualifizieren, sondern immer eine hochwertige und unabhängige Beratung in Anspruch nehmen zu dürfen. Das Ziel ist hierbei neue Beschäftigungs-, Entwicklungs- und Aufstiegschancen zu bekommen.

  1. Entwicklung und Einsatz von Instrumenten zur Identifikation von Qualifizierungsbedarfen, für die Planung und für das Monitoring:

Betriebe sollten Weiterbildungsmaßnahmen als Teil ihrer Unternehmensstrategie sehen.

  1. Nutzung der Potenziale von neuen Lernformaten:

Die Digitalisierung bringt auch neu Formate der Weiterbildung mit. Diese sind orts- und zeitungebunden, kostengünstig und erzielen eine große Reichweite.

  1. Entwicklung einer neuen Weiterbildungskultur:

Führungskräfte sollten eine neue Weiterbildungskultur entwickeln, die lernförderliche Arbeitsbedingungen, motivierte Beschäftigte und Investitionen in Personalentwicklung und Weiterbildung beinhalten.

  1. Präventionsgedanken stärken:

Möglichst frühzeitigt und präventiv sollten Kompetenzen gestärkt werden. Vor allem ältere und geringqualifizierte Personengruppen sollten einen Zugang zu Weiterbildung und Qualifizierung haben.

  1. Entwicklung eine Weiterbildungsstrategie:

Die Bundesregierung sowie Bund und Länder sollten eine Qualifizierungs- und Weiterbildungsstrategie mit Einbeziehung von Wirtschaft und Gewerkschaften erarbeiten.

 

Stiftung Neue Verantwortung: Innovative Weiterbildungskonzepte

Philippe Lorenz, Experte zum Thema Arbeit 4.0 der Stiftung neue Verantwortung geht in seinem Beitrag „Innovative Weiterbildungskonzepte braucht das Land“ auf die neuen Herausforderungen der digitalen Arbeitswelt ein. Er beleuchtet den Arbeitsschwerpunkt des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) zur Zukunft der Arbeit und die vom Arbeitsministerium veröffentlichte Studie „Wertwelten Arbeiten 4.0“. So hat das Ministerium im Sommer 2016 ein Arbeitslosenversicherungsschutz- und Weiterbildungs-Stärkungsgesetz (AWStG) herausgebraucht, dass die Weiterbildungsmöglichkeiten von älteren und geringqualifizierten Personen stärkt.

Zudem adressiert der Autor den Mangel an Fachkompetenz für die digitale Wirtschaft. Durch die Digitalisierung gibt es einen Wandel bei Berufsbildern und Geschäftsmodellen. Das setzt eine andere Qualifizierung der Mitarbeiter voraus. Arbeitnehmer können sich nicht mehr auf ihre Berufsausbildung ausruhen, sondern müssen durch Weiterbildungen für ihre zukünftige Tätigkeit qualifiziert werden. Besonders durch den nahenden Fachkräftemangel dank des demographischen Wandel sei dies wichtig.

Als letzten Punkt gibt Philipp Lorenz einen Ausblick nach Dänemark: Deutschlands nördliches Nachbarland hat schon ein umfangreiches Weiterbildungssystem. Staatliche und private Träger bieten zertifizierte Kurse an, die auf die Bedürfnisse der lokalen Wirtschaft eingehen. Jährlich werden etwa 200 neue Ausbildungsgänge in Dänemark angeboten und veraltet werden aus dem Angebot genommen.